Cold Steel Pocket Bushman

Meine Bewertung:

Vor einiger Zeit bin ich auf Youtube auf das Cold Steel Pocket Bushmaster Outdoor-Klappmesser gestoßen, hab es belächelt und nicht weiter daran gedacht. Als ich es dann mal wieder zufällig auf Amazon gesehen und mir die durchwegs positiven Rezessionen durchgelesen hatte, war der Entschluß gefasst: das Ding muss her. Und bei einem Preis von unter 50 Euro kann auch nicht allzuviel verhaut sein.

Da ich oft und gern in der Natur unterwegs bin, mit Bushcrafting aber eigentlich nicht viel am Hut habe, reichte mir bisher eigentlich die Kombination vom meinem EDC Spyderco Tenacious und dem Outdoor Gerber Gator II vollkommen, aber ab und zu braucht man einfach ein neues Spielzeug. Da ich keine Ambitionen habe, mir im Wiener Wald eine Hütte aus „von hand gefällten Bäumen“ zu zimmern oder per selbstgebauten Floß den Wienfluß hinabzufahren, ist ein stabiler Folder sicherlich die beste Wahl.

Vor allem der Minimalismus des Pocket Bushman hat mich neugierig gemacht, kein Schnickschnack, Verzierungen oder Firlefanz, einfach eine Klinge mit einem aus einem Stück 420er Metall gefalteter Griff. Das Lanyard am Ende ist übrigens kein aufhübschendes Accessoire, sondern ein notwendiges Hilfsmittel, um den Ram Safe Verschluss zu öffnen. Ohne ist es fast unmöglich!

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Donnerstag abend also das Messer bestellt, am Montag war es dann schon da. Es kommt passenderweise in einer unspektakulären Papp-Schachtel mit Luftpolsterkuvert, Warnhinweis und Bedienungsanleitung. Diese sollte man auch kurz mal überfliegen, damit man nicht erst groß herumprobieren muss, wie man die Klinge am einfachsten und vor allem verletzungsfrei einklappen kann.

Das Pocket Bushman hat ein angenehmes Gewicht und liegt auch – auf den ersten Griff – recht gut in der Hand. Einhandmesser ist es zwar technisch, jedoch ist ein Öffnen dieses Messers per Daumenpin alles andere als angenehm. Wie schon erwartet ist das Messer als robustes Werkzeug ausgelegt, da gibt es natürlich keinen butterweichen Klingengang, der Ram Safe Verschluß – welcher mit einer starken Feder funktioniert – verhindert dieses. Spätestens beim Schließen des Messers braucht man auf jeden Fall beide Hände, daher ist es für mich KEIN Einhandmesser! Der Griff ist übrigens groß genug, um auch von Bärenpranken gehalten werden zu können. Durch die aufgewölbte Mitte hat das Messer eine größere Grifffläche, welche aber schon noch etwas mehr sein könnte, mir ist es – trotz mittelgroßer Hände –  doch fast etwas zu schlank.

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Der Verschluß funktioniert so, dass das Lock per Feder fest nach oben gedrückt wird, und somit die Klinge bombenfest fixiert. Beim Öffnen und Schließen sollte man übrigens darauf achten, dass kein Finger in den unteren Bereich des Verschlußes kommt, denn das jann dann schon ein wenig schmerzhaft werden. Wenn die Verschluß-Feder etwas ausgeleiert ist, dann kann man den Ram Safe wohl auch ohne Lanyard öffnen, dafür ist jedenfalls die Riffelung am Verschluß-Ende vorgesehen. Auch gibt es eine Torx-Schraube, mit welcher die Feder gegebenenfalls nachgespannt werden kann.

Der Clip kann für Rechts- oder Linkshänder versetzt werden, jedoch nur mit Klinge Tip-Up. Er ist recht kurz und sehr stramm, lässt aber dafür im oberen Bereich genug Platz, um ihn auch an Arbeitshosen und Jeans mit dickeren Bündchen zu befestigen. Bevorzugt sollte er wohl an den Schenkeltaschen von Cargo-Hosen oder in der Zollstocktasche getragen werden, für die Sacktaschen ist das Messer aufgrund seiner Länge doch eher ungeeignet.

Die flache Clip Point Klinge hat eine angenehme Größe und ist auch gebrauchsfertig und recht sauber angeschliffen. Rasiermesserscharf ist sie zwar nicht ganz, aber für die meisten Zwecke sicherlich vollkommen ausreichend. Die Klingenstärke mit 3,5mm kommt mir aber bei diesem Messer aber doch etwas zu dünn vor (was sich später im Test auch bestätigen soll), da hätte Cold Steel ruhig noch 1-2mm drauflegen können!

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Aber um zu sehen, was das Messer taugt, bin ich mal schnell hinten raus und in den Wald, ein wenig herumwildern. Doch wie testet man ein „Pocket Bushman“, wenn man kein Bushcrafting macht? Einfach ein wenig an Ästen herumhacken, Stöcke anspitzen, kleine Baumstämme fällen. Obwohl es sich hierbei zweifelsfrei um ein Messer handelt, lädt es doch irgendwie sehr schnell zum hacken ein. Und hier erweist sich der Griff schon gleich als nicht sehr optimal, jedenfalls nicht ohne Handschuhe.

Schnell drückt der gefaltete Griff unangenehm in das nicht durch dicke Hornhaut geschützten Fingerfleisch, das würde bei längeren Arbeiten sicherlich schnell Blasen geben. Kleine bzw. kurze Arbeiten wie Stöcke anspitzen oder leichte Schneidarbeiten lassen sich natürlich erledigen, aber alles andere, wo der Griff wirklich fest angegriffen und viel Kraft angewendet werden muss, sollte man doch mit Handschuhen (oder hornhautigen Bärenpranken) machen.

Weiter nun im Test, nach etwas herum schnitzen werfe ich (ja ja, macht man nicht…) daß Messer auf ca. 1  Meter Entfernung gegen einen Baumstumpf, es bleibt stecken und dankt es mir sofort mit einer leicht verbogenen Spitze, das ging jetzt aber einfach. Also gleich noch ein paar Mal geworfen, bis die Spitze wieder etwas gerader war und dann etwas an einem Baumstamm herumgehackt.

Aber auch hier wollte der Bushman nicht seinen Mann stehen, schon nach ein paar mal hacken (einfach mit der Hand, ohne Aufschlagen mit einem Ast oder ähnlichen!) blinkt mich eine kleine Beule in der unteren Hälfte der Klinge an. Dafür ist der dünne Flachschliff wohl nicht ausgelegt, oder ist der deutscher Kruppstahl doch nicht so hart, wie der Rest der Welt denkt? Mit dem Messer wird es also wohl nichts mit Hütten- oder Floßbau, der Verschluß würde wohl mitspielen, aber nicht die Klinge, schade.

Nach dem ca. 30 minütigen Kampf „Cold Steel Pocket Bushman“ vs. „Wald“, einem schmerzenden rechten Daumen von dem mehrmaligen Einhand-Öffnen, einer Quetschung am kleinen Finger von der davor noch unbekannten Ram Safe Sicherung sowie den unangenehmen Druckstellen an der Handinnseite mache ich dann noch einmal einen Schärfetest, welcher jedoch noch recht gut absolviert wird. Natürlich hat die Schneide nach dem Test keinen aufgestellten Grat mehr, aber ein Blatt Papier lässt sich schon noch (mit etwas ruckeln und reissen) in Streifen schneiden.

Fazit: Als EDC geht das „Cold Steel Pocket Bushman“ nicht mehr durch, dafür ist es schon zu groß und zu grob. Als Bushcrafting  Messer ist es aber auch etwas unterdimensioniert (hier empfehle ich eher etwas in der Art wie das Fällkniven A1-Z). Auf jeden Fall ist es ein super Outdoor/Camping-Messer, grobes Arbeitsmesser (Baustelle, Handwerker), oder einfach das Zweitmesser, welches man für die wirklich schmutzigen Arbeiten einsetzen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn man sein Messer dabei etwas misshandeln muss.

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Größenvergleich Spyderco Tenacious vs. Cold Steel Pocket Bushman

 

Gesamtlänge: 26,4 cm
Klingenlänge: 11,2 cm
Gewicht:  188 g
Klingenstärke:  3,5 mm
Klingenmaterial: 4116 Krupp Stahl stone washed
Griffmaterial: 420 satiniert
Verschluss: Ram Safe
Design: Andrew Demko 

 

Empfohlener Verkaufspreis: $ 43,99 (USA), € 54,99 (D)

Bezugsquellen: Ebay, Swords & More

 

Meine Bewertung:

Verarbeitung:
Design:
Preis-Leistung:
Durchschnitt:

 

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